Deutschland 0-1 Serbien

DFB-Team schlägt sich selbst

Die deutsche Nationalmannschaft hat nach der 4:0-Gala gegen Australien zum WM-Auftakt einen herben Rückschlag einstecken müssen. Im zweiten Vorrundenspiel setzte es eine 0:1 (0:1)-Niederlage gegen Serbien.

Vor 42.000 Zuschauern in Port Elizabeth erzielte Milan Jovanovic (38.) das Tor des Tages, kurz nachdem Miroslav Klose mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war.

Mit der ersten Pleite in einem WM-Gruppenspiel seit 1986 (0:2 gegen Dänemark) muss das DFB-Team um das Weiterkommen ins Achtelfinale zittern. In der letzten Partie gegen Ghana kommt es nun zum Endspiel, Serbien trifft auf Australien. Deutschland, Ghana und Serbien haben allesamt drei Punkte auf dem Konto.

Nachbetrachtung:

Ein Duell zwischen zwei Top-Nationen ist auch immer ein Duell der Trainer. Und der Sieger hieß Radomir Antic. Mit seiner überraschenden Umstellung auf ein 4-1-4-1 verdichtete er das Mittelfeld und ließ Mesut Özil sowie den anderen deutschen Offensivspielern wenig Luft zum Atmen. Dass Serbien jedoch in der Vorwärtsbewegung weiterhin auf Zufall oder einen gut aufgelegten Milos Krasic angewiesen ist, dürfte auch Antic Sorgen bereiten.

Sein Gegenüber Jogi Löw hingegen hatte diesmal mit seinen Einwechslungen nicht den richtigen Riecher. Die Hereinnahme von Cacau, Marko Marin und später Mario Gomez sorgte für mehr Verwirrung als Belebung. Ein wichtiger Erklärungsansatz für die fehlende Offensivpower in den letzten 20 Minuten.

Gegen Ghana muss Löw aber ein glücklicheres Händchen bei der Wahl des Personals beweisen. Wer beginnt für den gesperrten Miroslav Klose? Bekommt Holger Badstuber eine neue Chance? Wie kann die Defensivschwäche von seinem Vordermann Lukas Podolski kompensiert werden? Denn eines ist klar: Die Schuld für die Niederlage alleine bei Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco zu suchen, wäre falsch.
Reaktionen:

Bundestrainer Joachim Löw: „Es ist viel gegen uns gelaufen. Die Gelb-Rote Karte, unmittelbar danach das 0:1. In der 2. Halbzeit haben wir viele Chancen vergeben und einen Elfmeter verschossen, natürlich war das nicht einfach wegzustecken. Wir sind nicht so ins Spiel gekommen wie gegen Australien. Aber wir haben uns nach der Pause enorm aufgebäumt und sehr gute Moral bewiesen. Jetzt stehen wir unter Druck, das ist klar, dennoch werden wir die nächste Runde erreichen.“

Miroslav Klose: „Ich hätte der Mannschaft gerne geholfen. Ich habe vor der zweiten Gelben Karte versucht, den Ball zu spielen. Es war kein böses Foul. Der Schiedsrichter hätte mich auch noch einmal ermahnen können, statt Gelb zu zeigen. Fußball ist ein Kampfsport, dazu gehören nun mal auch Zweikämpfe.“

Serbiens Trainer Radomir Antic: „In der ersten Halbzeit waren wir sehr gut. In der zweiten Halbzeit haben wir das Ergebnis verwaltet. Da waren wir sehr defensiv ausgerichtet. Wir wollten eigentlich mehr nach vorne machen, aber der Druck war sehr stark. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben.“

Vor dem Anpfiff: Deutschland unverändert, anders als Serbien, das mit neuer taktischer Ausrichtung (4-1-4-1 statt flache 4-4-2) und neuem Personal beginnt. Ninkovic ersetzt Pantelic, Subotic den gesperrten Lukovic. Kuzmanovic bekommt den Vorzug vor Milijas und wechselt sich mit Stankovic als Sechser ab.

Der Star des Spiels: Milos Krasic. Versagte im Ghana-Spiel, rehabilitierte sich jedoch gegen Deutschland mit einer guten Leistung. Während sein linkes Pendant Jovanovic von seinem Treffer abgesehen unauffällig blieb, sorgte Krasic für die meiste Gefahr. Profitierte davon, dass Gegenspieler Badstuber teils eklatante Mängel im Stellungsspiel offenbarte und überlief wiederholt die deutsche Abwehr über den rechten Flügel. Dass er das 1:0 sowie den Pfostenschuss und den Lattenkopfball in der zweiten Hälfte einleitete, war kein Zufall.

Die Gurke des Spiels: Miroslav Klose. Hinterließ von Beginn an eine unglückliche Figur. Wurde häufig gesucht, doch entweder waren die Anspiele zu ungenau – oder Klose unterliefen bei der Ballverarbeitung Fehler. Bot sich immerhin wiederholt an, übertrieb es jedoch mit seinem Einsatz und beging zwei völlig unnötige Fouls. Erst gegen Ivanovic, dann in der 37. Minute gegen Stankovic. Konsequenz: Gelb-Rot – und wenige Sekunden später die Führung für Serbien. Fehlt nach dem Platzverweis im entscheidenden Vorrundenspiel gegen Ghana und muss um den Stammplatz bangen.

Die Pfeife des Spiels: Alberto Undiano Mallenco. Der Spanier kündigte eine harte Linie an – und zog es auch durch. Lag bei den Foul-Entscheidungen richtig, verteilte jedoch viel zu großzügig Gelbe Karten. Immerhin: Bevorzugte keines der beiden Teams und blieb gleichermaßen hart.

Analyse: Serbien glänzte nicht, aber Antic‘ Schachzug, das zentrale Mittelfeld mit einem dritten Mann zu stärken, erwies sich als goldrichtig. Stankovic kümmerte sich fast ausschließlich um Özil, Kurzmanovic gab zehn Meter davor den Kettenhund für Schweinsteiger – und schon fand Deutschlands zuletzt so gelobte Mittelfeld keine Mittel.
Jogi Löw Radomir Antic Philipp Lahm Miroslav Klose Deutschland Serbien

Erst in der ersten Hälfte der zweiten Halbzeit, als die Flügelspieler verstärkt eingesetzt und Serbiens mit Gelb belasteten Außenverteidiger stärker unter Druck gesetzt wurden, baute das DFB-Team Druck auf. Podolski vergab mit überhasteten Torschüssen den möglichen Ausgleich.

Mit zunehmeder Spieldauer schwanden bei den dezimierten Deutschen jedoch die Kräfte und auch der Mut. Die Einwechslungen von Cacau, Marin und Gomez verpufften völlig.

Am Ende konnte die Löw-Mannschaft froh sein, dass sich das ebenfalls nicht überzeugende Serbien bei den zahlreichen Kontern in der Schlussphase dilettantisch anstellte und außer zwei Aluminium-Treffern nichts mehr zustande brachte.

Neben Klose völlig von der Rolle: Linksverteidiger Badstuber, der nach der desolaten Vorstellung gegen Krasic seinen Stammplatz verloren haben dürfte.

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